Wir sind Seelenanteile vom Ganzen

Wir könnten uns vergleichen mit einem Baum. Der eine von uns ist am Stamm angesiedelt, d.h. mehr mit der Erde verbunden. Der andere ist in den Baumkronen beheimatet und dadurch dem Himmel näher. Seine Natur ist geistiger und mentaler ausgerichtet. Wiederum stellen andere die Früchte oder Blätter dar und können mit der Seele verglichen werden. So unterschiedlich wir auch sind, jeder einzelne von uns ist mitverantwortlich für die Entwicklung vom Ganzen.


Dieses Gleichnis zeigt, dass wir alle aus dem gleichen Samen abstammen, welcher immer grösser wurde. Das Bewusstsein des Stammes nimmt das Ganze anders war als das Bewusstsein der Äste oben im Himmel, oder die Früchte und Blätter, die immer wieder abfallen. So sind die einen bodenständiger und verwurzelter, näher dem Boden, andere sind mehr vergeistigt, näher dem Himmel.


Toleranz für anders denkende und lebende Menschen, andere Hautfarben, Religionen, Denk- und Verhaltensweisen ist einer der aktuellen, grossen, blinden Flecken in der Menschheit. Wir könnten uns daran erinnern, dass wenn uns die Meinung eines anderen aufwühlt, weil er nicht unsere Sichtweise vertritt, wir auch so reagieren könnten, indem wir mit Interesse zuhören, aus welcher Sicht er auf das Ganze schaut und was er uns mitzuteilen hat. Wir können von einander viel lernen. Doch oft steht uns die Liebesunfähigkeit zu anders denkenden und handelnden Menschen im Weg.


Um so mehr ist es wichtig, in uns zu blicken, auf unser Herz zu hören, mehr bei uns zu bleiben, nicht ständig gedanklich bei anderen zu sein, insbesondere in der Zeit des Erwachens (=des Bewusstwerdens).


Wenn wir allgemein nicht präsent sind, nicht in unserem Körper mit der vollen Aufmerksamkeit unseres Geistes, dann bekommen wir viele Signale unseres Körpers nicht mit. Ganz intensiv erleben dies vergeistigte und seelisch aufrechte Menschen, denn diese streben wie die Äste des Baumes nach oben, nehmen sich dadurch oftmals nur oberhalb des Körpers war. Dies ist nicht schlecht, es ist jedoch zu achten, dass diese Menschen viel Stabilität und Körperempfindungen beachten sollten. Denn genau dieses Empfinden führt sie in das 'Finden'.


Und 'Finden' ist seit Menschheitsbeginn stark in uns verankert. Denn wir glauben noch immer, im Aussen etwas Neues finden zu müssen, etwas wie Reichtum, einen Menschen, den wir lieben dürfen oder eine gewisse Rolle, die ausgelebt werden möchte. Alles richtet sich nach aussen. Und dann kommt irgendwann eine Leere in uns. Und wir wundern uns, warum diese Leere in uns Platz einnimmt. Denn all unsere Körperempfingungen, Emotionen, Gedanken, all das, was auf uns eingeströmt ist, jahrelang, wurde ignoriert.


Beobachten wir genau und beginnen wir jedoch unsere Körperempfindungen wieder wahrzunehmen, so werden wir merken, dass jeder Mensch sich zu tiefst einsam fühlt, weil sein Bewusstsein sich der Körperempfindungen nicht bewusst war. Dieses Unbewusssein löst in uns Einsamkeit aus. Deshalb schotten sich so viele Menschen ab, wollen alleine sein, manchmal nicht absichtlich. In ihrem Verhalten bewirken sie jedoch das Alleinsein. Durch ihren Glauben zu sich selbst, durch ihre Intolleranz gegenüber sich selbst, durch das Ignorieren ihrer Körperempfindungen.


Wichtig ist, dass wir wieder lernen, zu beobachten, wann und wo uns unser Körper eine Empfindung signalisiert. Manachmal ist diese positiv, manchmal wird sie als negativ empfunden. Für die Seele ist es nicht ausschlaggebend, wie sie empfindet, denn sie hat sowohl das eine wie das andere integriert. Die Seele ist bereits vollkommen. So ist auch jede unserer Seelen vollkommen. Doch unsere Seelen machen menschliche Erfahrungen. Und Menschen sind nicht vollkommen.


Solange wir nicht im Bewusstsein sind, sind wir Opfer oder Schöpfer ohne es meist zu merken. In diesen Rollen möchten wir wiederholt Schmerzen erfahren, um zu wissen, dass wir hier sind, so sollten wir uns fragen, wo wir uns nicht lieben und worin wir uns nicht erkennen. Allein diese Erkenntnis gegenüber uns selber wird enorm transformierend wirken, für alle Verletzungen, die kollektiv über vielen Jahrhunderte stattgefunden haben.

Verlieren wir die eigene Wichtigkeit und geben wir das eigene Vergessen frei, finden wir stattdessen zum Nicht-Ich-Lernen und zum Hingabe sein, so erlauben wir uns zum höchsten Wohle zu dienen und öffnen uns im selben Moment dem Weg zum eigenen Meister. Erkennen wir uns selbst als Seelenanteil eines Ganzen in allem wieder, so anerkennen wir uns als Teil der Schöpfung und werden dadurch frei von Bedingungen.

 

Author: 

Marlen Groher