Veränderen wir uns, verändern wir die Welt

Die meisten möchten etwas in ihrem Leben verändern, weil sie begreifen, dass sie die Welt nur verändern können, wenn auch sie sich verändern. Sie wissen jedoch oft nicht, wie sie verändern können, ohne auf alles zu verzichten, worüber sie sich bis zu diesem Zeitpunkt definierten. Aus dem Beruf aussteigen, den man so viele Jahrzehnte ausgeübt hat, ist für viele undenkbar. Den Wohnort aufzugeben, scheint unmöglich. Sein persönliches Essverhalten zu verändern, nachdem man sein Leben lang sich immer auf dieselbe Weise ernährte, scheint für viele ein unüberwindbares Hindernis zu sein.


Verändern bedeutet Altes loszulassen, um Neuem Platz zu machen. Ohne Loslassen können wir keine 'Veränderung' in unser Leben einladen. Dabei ist Veränderung die einzige Konstante, über welche sich das Leben definiert. Wer nicht loslässt und bereit ist für Veränderung, weigert sich somit zu leben. Dabei ist Verändern (=Leben) eigentlich ganz einfach.


Ärgern wir uns über etwas, da uns etwas in unserer Welt nicht gefällt, so sollten wir nicht versuchen, dieses Etwas zu ändern, sondern uns, indem wir unsere Aufmerksamkeit nicht mehr auf das richten, was wir nicht möchten. Wir können lernen, uns dabei zu beobachten, wobei wir ständig meckern und worin wir andere kritisieren, an welchen Orten wir uns ungern aufhalten, mit welchen Menschen wir eigentlich nicht gerne Zeit verbringen, weil es uns anstrengt und wir uns am liebsten 'davon stehlen' möchten. Und wir können uns ändern, nicht aber die anderen. D.h. wir können erreichen, dass es uns besser geht, wenn wir von den Dingen, Menschen und Umgebungen Abstand nehmen, die in uns Stress und Unwohlsein auslösen.


Essen und trinken wir also nicht mehr, was uns nicht schmeckt und was wir ethisch wie moralisch nicht vertreten können, auch wenn wir zum Essen irgendwo eingeladen sind und seien wir nicht künstlich nett gegenüber Gastgebern, sondern ehrlich zu uns und teilen dem Gastgeber im Voraus mit, was wir essen und was nicht oder bringen unser Essen selber mit. Und hören wir auf, an Hochzeiten zu tanzen, wenn wir uns bereits im Voraus über die Art, wie gefeiert wird, aufregen. Hören wir auf, Dinge zu kaufen, über die wir uns bereits im Laden ärgern, weil sie zu lieblos hergestellt wurden oder zu teuer verkauft. Hören wir auf, unseren Kindern Spielsachen aus Plastik zu kaufen, nur weil sie uns darum bitten, wenn wir nicht in einer Welt voller Plastik leben möchten. Machen wir uns stattdessen lieber nachhaltige Gedanken dazu, wie wir Lebensmittel anders einkaufen können. Bleiben wir nicht an einer Konzertbühne stehen, wenn uns die Musik nicht wirklich gefällt, nur weil wir ein Ticket gekauft haben oder der Gitarrist ein Freund von uns ist und wir ihm gefallen möchten. Horten wir nicht Dinge, über die wir uns jeden Tag aufregen, weil wir sie eigentlich gar nicht brauchen, nur weil sie uns Mitmenschen zum Geburtstag geschenkt haben. Kümmern wir uns nicht mehr um Dinge, die uns nicht Freude bereiten, nur weil wir jemandem eine Freude damit bereiten möchten. Bestaunen wir nicht mehr Kunst in einer Galerie, wenn wir die oberflächlichen Gespräche und Kunstinterpretationen der Besucher nicht mögen.

Nehmen wir uns stattdessen Zeit für uns und erlauben uns, uns von dem umgeben zu lassen, was uns gut tut und hören wir auf, aus lauter Bequemlichkeit zu konsumieren, was wir nicht unterstützenswert finden. Finden wir stattdessen zurück in unsere Eigenverantwortung und stellen dabei fest, dass wir die Welt um uns nur dann verändern können, indem WIR UNS verändern.

Author: 

Marlen Groher