Unsere Kinder sind nicht unsere Kinder

Unsere Kinder sind nicht unsere Kinder. Sie sind die Söhne und die Töchter der Sehnsucht des Lebens nach sich selber. Sie kommen durch uns, aber nicht von uns, und obwohl sie mit uns sind, gehören sie uns doch nicht.

Wir dürfen ihnen unsere Liebe geben, aber nicht unsere Gedanken, denn sie haben ihre eigenen Gedanken. Und wir dürfen ihren Körpern ein Haus geben, aber nicht ihren Seelen, denn ihre Seelen wohnen im Haus von morgen, welches wir nicht besuchen können, nicht einmal in unseren Träumen.

Wir dürfen uns bemühen, wie sie zu sein, aber wir sollten nicht versuchen, sie uns ähnlich zu machen. Denn das Leben läuft nicht rückwärts.

Wir sind die Bogen, von denen unsere Kinder als lebende Pfeile ausgeschickt werden. Der Schütze sieht das Ziel auf dem Pfad der Unendlichkeit, und er spannt uns mit seiner Macht, damit seine Pfeile schnell und weit fliegen. Lassen wir den Bogen von der Hand des Schützen auf Freude gerichtet sein, denn so sehr er den Pfeil liebt, der fliegt, so sehr liebt er auch den Bogen, der fest ist.

Author: 

Marlen Groher