Neid - die höchste Form von Bewunderung

Neid ist ein negatives Gefühl, welches uns unfrei macht und uns davon abhält, wertfrei mit anderen Menschen umzugehen. Gleichzeitig aber bringt uns Neid auch ein Stück näher in Verbindung mit unseren eigenen Bedürfnissen, Wünschen und Zielen. Denn hinter Neid steckt oft der Wunsch, selbst am eigenen Glück zu arbeiten.

Ist jemand dem Neid verfallen, so verrät uns dies, wie unglücklich sich jemand fühlt. Die ständige Aufmerksamkeit auf fremdes Tun und Lassen gerichtet zeigt, wie sehr sich jemand ab sich selber langweilt.

Neid macht uns blind und frisst uns innerlich auf. Wer neidisch ist, sieht die Welt aus der Sicht des Mangels. Neid lässt die Menschen vereisen. Er versiegelt ihre Gefühle und tötet die Liebe. Viele Menschen sind buchstäblich krank vor Neid. Viele leiden bei Neid auf andere unter körperlichen Beschwerden wie Magenschmerzen oder Herzrasen, schlafen schlecht oder kämpfen mit massiven Schlafstörungen. Zudem fühlen sich viele durch Neid ohnmächtig und "wie gelähmt". Dieser Typ von Neidern steigert sich in unendliche Trauer, die sie lähmt und zerstört. Das kann in der dramatischen Form zu Depression und Herzkrankheiten führen.

Nun sollten wir uns nicht über andere ärgern, wenn sie uns um etwas beneiden, denn damit drücken sie nur ihre tiefe Bewunderung für uns aus. Im Kern ist der Neid bloss ein Krieg, den wir gegen uns selbst führen. Besiegen lässt sich der Neid nur, wenn wir die Beziehung zu uns selbst ändern.

Neid ist immer der Spiegel unseres eigenen Mangels. Statt mich auf mich selbst, konzentriere ich mich ständig auf andere. Neidische Menschen werten die eigenen Fähigkeiten ab. Wer ständig Dingen nachjagt, die anderen scheinbar in den Schoss fallen, vernachlässigt die Pflege der eigenen Talente. Besonders ausgeprägt sind neidische Gefühle bei Menschen mit einem mangelndem Selbstwertgefühl, die nicht gelernt haben, nach den eigenen Bedürfnissen zu leben.

Der erste Schritt, aus der Neidfalle auszusteigen ist, sich den Neid einzugestehen und herauszufinden, was wirklich hinter dem Neid steckt. Neid weist den Betroffenen darauf hin, dass er mit sich selbst und seiner Umwelt nicht im Reinen ist. Es ist eine Art Aufforderung, sich mit dem eigenen Lebensentwurf auseinanderzusetzen. Neid weist uns eigentlich darauf hin, dass wir ein bestimmtes Bedürfnis haben, nämlich, dass wir etwas auch möchten.

Neid enthält also im Keim durchaus eine Kraft, die wir nutzen können, indem wir sie nämlich als Antrieb betrachten, selbst aktiv zu werden. Im Neid steckt ein Stück Anerkennung für die Leistung und die Fähigkeiten eines anderen Menschen und kann daher als Kompliment verstanden werden.

Wir sollten uns nicht schämen, wenn wir Neid empfinden. Wir können dieses Gefühl vielmehr als Hinweis auf ein eigenes Bedürfnis anerkennen und es versuchen dadurch zu überwinden, indem wir es wahrnehmen anstatt zu ignorieren, uns auf unsere eigene Einzigartigkeit und auf die Fülle konzentrieren und uns darauf besinnen, dass es genug für alle gibt. Indem wir Grosszügigkeit praktizieren, wird Neid sich wandeln.

„Wenn ein Mensch nicht mehr begehrt, was in Besitz anderer ist, werden andere Menschen alles mit ihm teilen wollen, unabhängig davon, wie kostbar es auch sein mag.”

Author: 

Marlen Groher