Die entwurzelte Generation

Jede grössere Reise in einen anderen Lebensraum bewirkt in unserem Leben ein Loslassen von gesellschaftlichen, familiären und religiösen Denk- und Handlungsmustern. Eine Reise auf einen anderen Kontinent löste in der Vergangenheit bei vielen von uns den Denkansatz, dass man mit seiner ersten Liebe sein ganzes Leben teilen und verbringen wird. Eine andere, grössere Reise unterstützte uns im Schritt, aus dem Elternhaus auszuziehen. Weitere Reisen in ferne Länder verabschiedeten uns vom Beruf, welchen wir als erstes erlernten oder von der katholischen Kirche, von weiteren Beziehungen, welche unsere weitere, persönliche Weiterentwicklung hemmten.


Jede Reise in die Ferne bewirkt ein Loslassen von etwas ganz Bestimmtem und dadurch ein Weiterkommen auf dem eigenen Weg durch das Integrieren eigener Denkweisen und Glaubenssätzen. Möglicherweise reisen wir deshalb und dann in die Ferne, um dadurch einen grösseren Ablösungsprozess von etwas Beengendem einzuleiten. Wer loslassen fähig ist, wird in Folge irgendwann bei sich selber ankommen, bei seinen eigenen Gedanken und Gefühlen, unbeeinflusst davon, was andere denken. Dieses Ankommen lässt sich als Stille und Ruhe erleben, als Frieden auf Seelenebene, als Freiheit, losgelöst von Ängsten und fremden Denkmustern.

 

Wir, die entwurzelte Generation, die durch ihre Entwurzelung eine grosse Chance erhält, positive Veränderungen in der Entwicklung der Menschheit zu vollbringen, indem wir unsern Kindern ein von festen Denk- und Handlungsstrukturen gelöstes Fundament als Basis für ihre Entwicklung mitgeben können.

 

Ist der Sog und der Drang, in die Ferne zu reisen noch vorhanden, so ist es sinnvoll, nach Möglichkeit diesem Sog zu folgen, in einer Zeit, in der wir Möglichkeiten haben. Diese fernen Reisen werden jeden auf unterschiedliche Weise zu sich selber führen, dorthin, wonach er und sie sich sehnt. Unsere Definition von zu Hause ist nicht der Besitz eines Hauses, sondern das Finden unserer selbst.

Author: 

Marlen Groher