Achtsamkeit gegenüber Wurzeln

Bäume zeigen uns möglicherweise eine der kostbarsten Wahrheiten des Lebens.

 

Bäume tragen eine unglaubliche Weisheit in sich und lehren uns die Wichtigkeit von Wurzeln. Ohne den Halt über die Wurzeln würden Bäume bei einem Sturm aus ihrer Mitte gerissen werden und fallen.

Wenn wir lernen, nicht nur Bäume, sondern Pflanzen ganz allgemein zu beobachten, können wir von ihnen so vieles über uns selber lernen. Welche Achtsamkeit wir ihnen entgegenbringen und wie wir mit Pflanzen umgehen dient uns als direkter Spiegel dafür, wie wir mit uns selber umgehen und mit uns umgehen lassen.

Wie wir Pflanzen begegnen, zeigt uns, wie frei resp. unfrei wir selber sind, wie verbunden resp. getrennt wir uns von unserem Glauben, unserer eigenen, geistlichen Heimat, dem Vertrauen, der Liebe und der inneren Weite fühlen.

Viele von uns halten exotische und tropische Pflanzen und Kakteen in Töpfen, um sich ab ihrer Anwesenheit auch in kalten Jahreszeiten zu erfreuen. Viele dieser wundervollen Pflanzen stammen aus fernen Ländern, aus wärmeren Klimen und könnten auf unserem Breitengrad auf Grund von Kälte und Frost in Wintermonaten nicht überleben.

In Töpfen werden Pflanzen über ihre Wurzeln in ihrer Freiheit, ihrer Verbundenheit mit ihren Familien und ihrem Wachstum begrenzt. Zudem werden sie auf Abhängigkeit konditioniert, inden sie darauf angewiesen sind, dass wir sie 'füttern'.

Über die Topfgrösse entscheiden wir, wie weit und tief sie ihre Wurzeln schlagen dürfen. Abhängig von ihrer Wurzelgrösse können sich in Folge ihren Stamm, ihre Blätter und Blüten bilden. Indem wir sie in einem Klima und in Räumen halten, welches nicht ihrer Herkunft enspricht, konditionieren wir sie auf Abhängigkeit.

Den Pflanzen fehlt durch die Haltung in Töpfen der direkte Erdenkontakt, um sich über ihre Wurzeln und das unterirdische Pilzgeflecht (dem sogenannten Internet der Pflanzen) mit anderen Pflanzen und Artgenossen verbinden zu können.

Solange wir die Pflanzen in ihrem Wurzelnschlagen noch fremdbestimmen und sie von der Mutter Erde getrennt 'halten', zeigt uns dies, was eigentlich mit uns selber geschieht - nämlich, dass wir in Unfreiheit leben, über unser Wachstum uns fremdbestimmen lassen, unsere Wurzeln (Vertrauen, Freiheit, Liebe, Weite und geistige Heimat) aufgrund äusserer Bedingungen nicht weiten können solange wir von Mutter Erde getrennt sind.

In dieser Trennung fällt es schwer, den Stürmen des Lebens stand zu halten. Ohne den Halt der Wurzeln geraten wir in Zustände von Unfreiheit und Gefangenschaft, Getrenntheit und Misstrauen.

Den eigenen Wurzeln sollten wir deshalb wieder mehr Achtsamkeit entgegenbringen, indem wir mit den Pflanzen aber auch den Tieren umgehen, wie wir uns wünschen, dass mit uns umgegangen wird - ihnen tiefes Vertrauen, geistliche Heimat, Freiheit, Liebe und Weite ermöglichen, indem wir sie aus der Gefangenschaft entlassen, uns von Käfigen, Zoos, künstlich angelegten Indoor-Regenwäldern, der Haltung in Blumentöpfen, Volieren und Aquarien verabschieden.

Denn letztendlich sind wir mit ihnen EINS. D.h. was wir ihnen schenken, schenken wir uns selber.

Author: 

Marlen Groher